Kurzer Überblick über die Geschichte der Kartause Ittingen

1101

Bruno stirbt in La Torre

Der Kartäuserorden geht auf den heiligen Bruno aus Köln zurück, der im Jahr 1084 mit sechs Gefährten in eine Bergwildnis bei Grenoble namens Chartreuse gezogen war, um sich dort ganz dem Gebet und dem Gottesdienst zu widmen. Auf Geheiss des Papstes nach Italien gezogen, starb er am 6. Oktober 1101 in der zweiten Kartause La Torre in Kalabrien. Die ihm nachfolgenden Kartäuser vereinigen in ihrer Lebensweise einen Gegensatz: sie leben als Einsiedler in einer Gemeinschaft.

um 1150

 

In Ittingen entsteht ein Kloster

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wandeln die Truchsessen von Ittingen ihre Burg in ein Kloster um. Eine Gründungslegende erzählt, dass die zwei kleinen Knaben des Truchsessen nach dem Besuch des Störmetzgers dessen Tätigkeit nachgeahmt hätten. Dabei soll der eine den anderen erstochen haben. Um diese schreckliche, wenn auch in kindlicher Unschuld begangene Tat zu sühnen, hätte die Familie das Kloster gegründet.  

1461

Der Kartäuserorden erwirbt Ittingen

1461 erwarb der Kartäuserorden von den Augustinern das verarmte Chorherrenstift Ittingen. Die erworbenen Bauten waren verwahrlost und mussten umfassend um- oder neugebaut werden. Zudem musste der grosse Kreuzgang mit den Zellen für die Einsiedlermönche angefügt werden.

Der Bevölkerung blieben die Kartäuser unvertraut. Sie kamen aus dem Ausland und lebten im Verborgenen. Sie verschlossen gar ihre Kirche für das Volk und verwiesen es auf die Leutkirche Üsslingen, eine knappe Wegstunde von Ittingen entfernt. Die Frauen von Warth, die unter den Augustinern die Gottesdienste in der Klosterkirche besuchen durften, drangen erbost in die Kirche ein und liessen sich nicht mehr daraus verteiben, bis ihnen eine eigene Kapelle in Warth versprochen wurde. Die eidgenössische Tagsatzung verpflichtete den Prior zum Bau der Kapelle in Warth.  

1524

Die Kartause Ittingen wird von aufrührerischen Bauern angezündet

Im Sommer 1524 kam es zu einem Aufstand, weil der katholische Landvogt in Frauenfeld einen reformierten Pfarrer von Stein am Rhein gefangen nehmen liess. Das aufgebrachte Volk, insgesamt mehrere tausend Personen, staute sich an der Thur. Nach einer im Freien verbrachten Nacht zog die wilde Schar zur Kartause, geriet ausser Kontrolle und zündete die Gebäude an. Der Schaden war immens. Das Kloster erholte sich erst nach Jahrzehnten wieder von den Verwüstungen.

1848

Das Kloster wird aufgelöst

Im 18. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Blütezeit und gelangte zu Wohlstand, der sich in der reichen Ausschmückung der Kirche und dem Neubau des Westflügels zeigt. Im 19. Jahrhundert änderten sich die gesellschaftlichen Voraussetzungen grundlegend. Der junge, liberale Kanton Thurgau stellte das Kloster zuerst unter staatliche Verwaltung und löste es 1848 auf. Die Klostergebäude wurden verkauft und gelangten in den Besitz der Familie Fehr, die Ittingen über drei Generationen hinweg als herrschaftlichen Wohnsitz und Modellbauernhof nutzten.

1977

Die Stiftung Kartause Ittingen wird gegründet

Nach dem 2. Weltkrieg überstieg der Unterhalt der ausgedehnten Räumlichkeiten die Möglichkeiten einer privaten Familie mehr und mehr. 1977 wurde die Stiftung Kartause Ittingen gegründet, welche die Anlage kaufte und einer neuen Nutzung zuführte. 1983 konnte in der inneren Klausur des ehemaligen Klosters das Ittinger Museum eröffnet werden.